
Aber dann setzte Aventinus ein Zeichen: Er begann, seine „Annalen“ ins Deutsche zu übersetzen. Darin liegt eine große Besonderheit. Im Mittelalter war es üblich, dass alle wissenschaftlichen oder auch juristischen Texte lateinisch verfasst wurden. Es ist eine herausragende Veränderung, wenn plötzlich jedem, der lesen und sich ein Buch leisten kann, Wissen verfügbar wird. Gerade heute, im Zeitalter der Informationsfluten, ist uns das fast nicht mehr vorstellbar. Im November des Jahres 1522 schreibt Aventinus in seinen Hauskalender: „Ich begann meine Annalen in die Muttersprache zu übersetzen.“ So reisten in den kommenden Jahren immer wieder Wissenschaftler und Adelige zu Aventinus nach Abensberg, weil sie seine „Annalen“ abschreiben wollten. 1554 wurden die „Annalen“ bzw. die „Bayerische Chronik“ schließlich gedruckt. Mehr als zehn Jahre später druckte man sie auch in Frankfurt am Main.
Ebenfalls 1522 war übrigens eine der ersten Auflagen des Neuen Testaments von Luthers Bibelübersetzung fertig. Es lässt sich also ganz klar eine Einstellungs- und Zeitenwende erkennen.
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